26 Mai 2006

Gelesen: Everything bad is good for you

Aus Thailand habe ich mir eine ganze Menge neuer Bücher mitgebarcht. Und auch wenn Thomas Friedman: The world is flat immer noch darauf wartet endlich zu Ende gelesen zu werden, musste ich jetzt erstmal ein paar andere Bücher durchackern. Jetzt bin ich mit Steven Johnson: Everything bad is good for you fertig. Ein wirklich sehr sehr empfehlenswertes Buch. Für alle, die auch jetzt noch gerne die Simpsons sehen und stundenlang mit Videospielen verbringen können. Hier gibt es haufenweise Argumente warum uns die Pop-Kultur nicht zwangsläufig dem Ende der Zivilisation näher bringt. Und ich glaube jeder, der in seiner Jugend Stunden mit Computerspielen verbracht hat, wird sich freuen zu hören, dass er damit außerordentliche Fähigkeiten trainiert hat.
Warum spielen wir eigentlich so exessiv Computerspiele? Weil wir suchen und ausprobieren wollen. Wo liegen die Grenzen der Simulation? Wie sieht das nächste Level aus? Was kann ich noch alles miteinander kombinieren? Gibt es einen anderen Weg zum Ziel? Das sind die Motivationen, die uns an den Monitor fesseln. Und wir trainieren damit unsere Wahrnehmungs- und Strategiefähigkeiten. Es geht also nicht so sehr darum was wir denken wenn wir wie Zombies auf den TFT starren, sondern vielmehr darum wie wir denken.
Ähnlich ist es auch beim Fernsehen. Die klassischen Serien aus den 70er und 80er Jahren, wie Starsky und Hutch, Ein Colt für alle Fälle, Airwolf usw. haben alle eine einzige und vor allem sehr lineare Erzählform. Im Prinzip wusste man schon am Anfang, was am Ende passieren wird. Serien wie Seinfeld, Simpsons oder auch Lost haben mittlerweile extrem komplizierte und vor allem nicht lineare Erzählflüsse. Damit wir so eine Show geniessen können, müssen wir eine Vielzahl an Beziehungen und Handlungssträngen in unserem Kopf jonglieren. Und zwar nicht nur für ein paar Minuten, sondern teilweise über Jahre hinweg, wie z.B. bei Seinfeld. Erinnert sich noch jemand an Art Vandelay/ Vandelay Industries?
Übrigens führt diese Komplexität auch dazu, dass wir Filme und Serien viel öfter ansehen können. Weil wir nämlich immer wieder einen neuen Aspekt entdecken, auf den wir uns nun konzentrieren können. Deswegen verdient Hollywodd mittlerweile auch mehr Geld mit DVDs als mit den Kinovorführungen. Und nur deswegen finden Leute wie Quentin Tarantino, Tim Burton oder die Cohen Brüder überhaupt in die großen Kinos.

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