07 September 2006

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Gammelfleisch ist ganz schön eklig. Vor allem wenn man dazu auch noch in München wohnt und sich das ganze quasi vor der eigenen Haustür abgespielt hat. Ich persönlich verkneife mir ja im Moment den Döner und gehacktes.
Was ich aber nicht recht verstehe ist, warum denn kein Markenhersteller die Gelegenheit nutzt, um die verunsicherten Verbraucher über seine Produktionsqualität aufzuklären. Gerade jetzt sind doch die Kunden besonders interessiert an Qualitätsrichtlinien. Zumindest merke ich bei mir, dass ich im Moment lieber mal zur Markenwurst greife. Aber anstatt die Chance in dieser Vertrauenskrise zu sehen, tauchen die Hersteller lieber unter. Schade eigentlich, denn eine solche Gelegenheit die ungeteilte Aufmerksamkeit der Verbraucher für ein Low-Interest Produkt wie Wurst zu bekommen bietet sich wahrlich nicht oft.

Kommentare:

Fahrgemeinschaft hat gesagt…

Ekelig jetzt wird das Gammelfleisch schon bei Ebay verkauft, mit den Worten bekannt aus Funk und Fernsehen : http://ebayblogger.simpleblog.org/13841/

Tim hat gesagt…

Ok. Das ist dann auch mal wieder eine komische Geschäftsidee.

Pappenträger hat gesagt…

Verstehe Deine Verwunderung, Tim, habe aber gerade heute mit einem potenziellen "Profiteur" aus der Geflügelbranche gesprochen. Man hat mir dort erklärt, dass jede Thematisierung des Themas immer aich das Risiko birgt, dass die Leute ganzlich die Finger von Fleischprodukten lassen. Bisher hat jeder Rind- oder Schweine-Fleischskandal auch z. B. den Geflügelfleisch-Herstellern Umsatzrückgänge beschert.

Tim hat gesagt…

@ Pappenträger
Ich glaube einfach nicht, dass wir alle zu Vegetariern mutieren, weil es mal wieder einen Fleischskandal gegeben hat. Dafür essen wir alle viel zu gerne Fleisch.
Und wenn sich ein Produzent wirklich mal trauen sollte, während eines solchen Skandals seine Produktionweise zu erklären, dann wird er dadurch langfristig garantiert davon profitieren. Vorausgesetzt er hat tatsächlich selbst nichts zu verbergen.

Senfabgeber hat gesagt…

Hallo Tim,

ich kann Dir nicht zustimmen. Jede Firma, deren Name im Zusammenhang mit dem Skandal genannt wird, bleibt negativ in den Köpfen der Verbraucher. Die können sich doch schon längst nicht mehr merken, wer alles in solche Skandale verstrickt ist.

Außerdem ist jede Qualitätsbekundung von Unternehmen eine Einladung an Journalisten die Qualität der Markenprodukte zu überprüfen. Und ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass diese in allen Belangen absolut lupenrein arbeiten. Irgendwas findet man bei jedem.

Darüberhinaus ist es einfach auch schlechter Stil, mit den Krisen der Konkurrenz Politik zu machen. So eine Krise erwischt jeden mal. In so einem sensiblen Bereich wie Lebensmitteln ist davor niemand gefeit.

Dann wiederum haben die meisten Billig-Marken auch enge Verbindungen zum Einzelhandel - sie werden ja oft erst von ihm initiiert. Wer diese Marken schlechtmacht, macht den Handel schlecht. Und den brauchen ja auch die Markenhersteller.

Alles in allem muss die Devise heißen: Informationen zu Hand haben, um Journalistenantworten kompetent und unzweideutig beantworten zu können und ansonsten Ruhe bewahren. Nachdem der Skandal dann vorbei ist, müssen die Marken dann wieder die ersten sein, die Vertrauen aufbauen.

In diesem Sinne,

der Senfabgeber

Tim hat gesagt…

@senfabgeber

Nein, also ich habe mir mal deine Argumente durch den Kopf gehen lassen.

zu deinem ersten Punkt:
Also ich finde diese Einschätzung etwas extrem. Und du sprichst damit dem Verbraucher ja jegliche Fähigkeit zur differenzierten Meinungsbildung ab. Ich stimme dir zu, dass man dort sicherlich auch mal die Fakten vertauschen kann. Aber genau deshalb finde ich es wichtig als Markenhersteller seine Position oft und deutlich auszusprechen. Und nach dieser Argumentation würden ja Firmen wie z.B. Coca Cola (diverse Skandale in verschiedenen Ländern) durchweg ein negatives markenimage haben. Aber das Gegenteil ist der fall. Coca Cola ist die wertvollste und damit auch die beliebteste Marke der Welt.

zu deinem zweiten Argument:
Ja vielleicht ist das eine Einladung an Journalisten mal genauer hinzusehen. Und das finde ich auch gut so. Schließlich übernehmen sie eine wichtige Aufgabe in einem demokratischen Staat: Meinungsbildung.
Und ganz ehrlich Fehler passieren. Das ist auch nicht schlimm, so lange man sie eingestehen und verbessern kann. Ich finde nämlich, dass Ehrlichkeit immer noch die beste Strategie ist.

Zu deinem dritten Punkt:
Ich finde da muss man sicherlich eine Grenze ziehen können. Aber es geht mir ja nicht um Verleumdungen der Konkurrenz. Mit geht es lediglich darum zu sagen, dass das Unternehmen [Marke hier einsetzen] Wert darauf legt, alles dafür zu tun, dass dies eben nicht vorkommt.

zu deinem vierten Argument:
Jetzt machst du aber Politik. Bloß nicht aufmucken, weil es den Handel ja verärgen könnte. Ich sehe meine Aufgabe als Werber darin Marken stark zu machen. Und zwar so stark, dass die Menschen sie nicht so einfach durch Konkurrenzprodukte substituieren. Der Handel listet nach Nachfrage. Ich glaube nicht, dass die ein Problem hätten Handlesmarken auszusortieren, wenn die keiner kauft.

zu deinem fünften Punkt:
Ruhe bewahren ist immer eine erfolgsversprechende Strategie. Gepaart mit Kompetenz unschlagbar.
Aber man muss auch die Chance sehen und die Gelegenheit nutzen, wenn sie sich bietet.

Senfabgeber hat gesagt…

Ich nochmal kurz:
Zu Deinem (und meinem) ersten Punkt:
1. Die Verbraucher können nicht differenzieren, weil sie nicht differenzieren wollen. Rindfleisch ist viel zu unwichtig, als dass ich mich damit beschäftige. Verunsicherte Verbraucher nehmen einfach Schweine-,Puten oder anderes Fleisch und das Problem ist gelöst.
2. Und was machen Unternehmen wie Coca Cola, wenn es bei Aldi Cola Skandale gibt? Die gehen auch nicht in die Öffentlichkeit und sagen, wie hochwertig ihr Produkt ist - habe ich zumindest von Coca Cola noch nie gesehen.

Zu unserem zweiten Punkt:
Ich finde es auch gut, dass Journalisten sich an der Meinungsbildung beteiligen. Aber dennoch muss ich es als Unternehmen ja nicht darauf anlegen, negative Presse zu erhalten.

Zum dritten Punkt:
Das sagen würde ich auch - allerdings in der akuten Krise nur auf Anfrage. Erst nachher kann man sein Qualitätsmanagement präsentieren - wenn die Diskussion nicht mehr so aufgeregt ist.

Zu Deinem vierten Punkt:
Wenn der Handel nur nach Nachfrage listen würde, gäbe es keine Listungsgebühren.

Zum fünften Punkt:
Chancen ergreifen finde ich auch gut. Vielleicht ist dies der einfache Unterschied in unseren Meinungen: Ich denke nicht, dass die aktuelle Situation eine Chance ist.

Gruß,
Senfabgeber

Tim hat gesagt…

Ok ich sehe wir haben hier doch leicht unterschiedliche Auffassungen bzgl. Risiko und Chance.

Trotzdem habe ich noch ein paar Anmerkungen:
Nur weil es noch niemand (bzw. in unserem Beispiel Coca Cola) gemacht hat, heißt das doch noch lange nicht, dass sie es nicht tun sollten. Das ist bei Coca cola so und auch im Fall der (Marken-)Fleischindustrie. Natürlich kann es sinnvoll sein sich an großen erfolgreichen Unternehmen zu orientieren. Aber imer nur dem Best Practice Beispiel nachzueifern bringt auf Dauer keine Marke auf die Überholspur.

Aber wie du schon richtig gesagt hast: Alles eine Frage der Perpsektive. Du siehst mehr Risiko, ich mehr Chance.