20 Februar 2007

Gelesen: Die glückliche Gesellschaft


Manchmal findet man Bücher, die so interessant sind das man sie in einem Rutsch durchliest. Wie z.B. Die glückliche Gesellschaft von Richard Layard. Was ist eigentlich Glück? Und wie werden wir glücklich? Was sich zuerst nach populärwissenschaftlicher Esoterik anhört, analysiert Layard aber völlig unzweifelhaft mit harten Fakten. Ganz so wie es sich für einen Wirschaftswissenschaftler, noch dazu von der London School of Economics, gehört.

Der Volksmund weiß, dass Geld nicht glücklich macht. Aber warum? Warum sind wir heute nicht glücklicher als vor 30 Jahren, obwohl wir doch in einer Überflussgesellschaft leben und ohne Zweifel mehr kaufen können als jemals eine Generation vor uns? Die Antwort schein banal: Weil wir uns schnell an mehr Geld gewöhnen und den damit verbundenen Lebensstandard gewöhnen. Je mehr Geld wir haben, desto geringer wird der zusätzliche Nutzen den wir erzielen. Das ist im Prinzip wie mit dem Verdurstenden in der Wüste: Das erste Glas Wasser hat einen hohen Nutzwert, doch sobald der größte Durst gelöscht ist, verliert jedes weitere Glas Wasser an Wert.

Um glücklicher zu werden, müssten wir uns wieder verstärkt auf gemeinesame gesellschaftliche Werte einigen. Denn anders als viele Wirtschaftswissenschaftler sind diese für Layard nicht nur mittel zum Zweck, sondern ein Wert an sich. Menschen brauchen die gesellschaft anderer Menschen und ziehen daraus einen hohen intrinsischen Nutzen. Um glücklicher zu werden brauchen wir als entgegen der vorherrschenden Meinung nicht mehr Individualisierung, Mobilität und eine Flexibilisierung, sondern ganz im Gegenteil mehr Sicherheit für den einzelnen und eine gemeinsame Vorstellung des Gemeinwohls.

Und ein wirklich inspirierender Abschluss des Philosophen Jeremy Bentham:
"Schaffe alles Glück, das du schaffen kannst; beseitige alles Elend, das du beseitigen kannst. Jeder Tag schenkt dir aufs Neue die Möglichkeit, etwas zum Glück eines anderen Menschen beizutragen oder ihm einen Teil seiner Sorgen zu nehmen. Für jeden Keim an Freude, den du im Herzen eines anderen legst, wirst du im eigenen Herzen reiche Ernte finden. Und für jede Sorge, von der du die Seele und die Gedanken eines anderen Menschen befreien kannst, wird in deiner Seele Freude und wunderbahrer Friede einkehren."

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