20 Februar 2007

Mercedes Benz völlig unvorbereitet in Second Life



Das war ja eigentlich irgendwie abzusehen. Die Medien sind voll mit Second Life Geschichten. Der Spiegel macht da mittlerweile eine Titelgeschichte (Heft 8/2007) draus und die Marketingverantwortlichen rennen von einem Management Circle Seminar zum nächsten.

Mercedes Benz hat man jetzt anscheinend auch mal so einen Second Life Auftritt aufgeschgeschwatzt. So mit Autos testen und dem ganzen Unsinn. Ganz ehrlich: Warum sollte ich irgendwelche Autos in Second Life testen? Hat das irgendeiner von den Verantwortlichen mal gesehen? Ist irgendwer von diesen Menschen schonmal in Second Life Auto gefahren? Das ist echt Schrott. Selbst mit meiner 16 Mbit DSL Leitung, mehreren Gigabyte Ram und einer aktuellen GeForce Grafikkarte sieht das Scheiße aus und ruckelt. Selbst die Grafik auf der Playstation Eins ist besser und vermittelt mehr Fahrgefühl. Von den aktuellen Konsolen wie XBox 360 und PS3 ganz zu schweigen.
Und dann wurde ja auch noch großspurig der Launch Event angekündigt. Mit einer Mercedes Benz Mixtape Session. Die wiederum finde ich gut und deswegen wollte ich mir das mal ansehen. Aber es kam wie es kommen musste. Pünktlich um 22 Uhr bin ich auf einem der insgesamt 9 Mercedes Benz Inseln, aber auf der Hauptinsel ist kein Platz mehr. Ganze 59 Leute befinden sich dort (siehe Karte) und dann kommt keiner mehr drauf, weil der Server voll ist!!! Selbst ranzoomen hilft nix bei der Entfernung. Ich weiß nicht, ob 59 Leute wirklich schon die maximale Anzahl für so eine Insel ist, aber ganz ehrlich: Wenn ich schon so einen Event ankündige und meine Marke heißt Mercedes benz und es gibt einen Live Mixtape Act (der anscheinend ganz gut läuft), dann sollte man sich solche Sachen doch wirklich mal vorher überlegen.
Jetzt gibt es 59 Leute die viel Spaß beim Eröffnungskonzert hatten. Und wahrscheinlich nochmal genausoviele, vielleicht sogar mehr die überhaupt nicht reingekommen sind und sich ähnlich wie ich darüber geärgert haben und ggf. sogar noch drüber bloggen. Das nennen ich mal einen richtig schön verpatzten Start.
Und deswegen jetzt einfach mal ein kleiner Tipp: In Second Life sollte es Unternehmen nicht darum gehen die Realität abzubilden, sondern diese Welt als kommunikationskanal zu nutzen. Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass es für einen Autohersteller mittlerweile sehr interessant sein könnte in Second Life mal seine Designer ranzulassen. Wie sieht deren Vision von Mobilität für die Zukunft aus? Was würden sie bauen, wenn sie bauen könnten was sie wollten?

Kommentare:

Nino hat gesagt…

Was du da beschreibst, klingt ganz nach den üblichen Performance-Problemen im Second Life. Sobald es zu voll ist, geht nichts mehr, d.h. die Grafik baut sich nicht auf und alles ruckelt. Für mich war dies ein Grund SL erstmal nicht mehr zu nutzen. Die Nissan Insel ist jedoch ganz brauchbar. Das Auto zu fahren (inlusive Looping) ist irgendwie nett - und ich kann den Wagen in mein Inventar packen und überall fahren, wo ich es die Betreiber der Grundstücke zu lassen. Aus Werbersicht scheint mir nur die PR um die Marke im SL als brauchbar (vielleicht wirkt meine Marke dadurch ja hip bzw. modern?), die Nutzung des Angebots vor Ort im SL bringt dem User jedoch in der Tat meistens nichts (im Sinne von tollen Erlebnis mit der Marke, dass schnell zum Ärgernis wird...)

Tim hat gesagt…

Ja, ich vermute natürlich auch Performance probleme von Seiten SL. Aber auch darauf muss Mercedes oder wer sie dabei berät sich vorbereiten und ggf. das Ding auf die insgesamt 9 Inseln verteilen.
Nissan ist in der Tat ein interessanter Anfang, aber mir persönlich geht das noch nicht weit genug. Aber besser als 99% der Sachen die andere Unternehemn dort machen.
und du hast vollkommen recht, wenn die gefajr besteht, dass ein besuch in SL eher zum Ärgernis als zum Erlebnis wird, dann sollte man es lieber erstmal lassen.

Mike hat gesagt…

Schon mal zurückgedacht an die anfangszeiten des Internet? Da gb es auch massive technische Probleme. Dennoch hat die Faszination am Medium und vor allem auch die Möglichkeiten auf der inhaltlichen Ebene dazu geführt, dass diese Schwierigkeiten überwunden wurden.

Dies wird bei 3D-basiertem Internet (z.B. Second Life) auch so sein.

Außerdem mal ein Gedanke zum Thema Verknappung und dass nur 59 Leute beim Konzert dabei sein durften: Der Club "Studio 54" fasste auch nur wenige 100 Leute, der Rest Stand draussen vor der Tür und wollte rein. Trotzdem wurde über den Laden gesprochen und zwar nicht zu knapp...