18 Juni 2008

Nichts gesehen

Mit Autowerbung ist das ja immer so eine Sache. Ich glaube jede Automarke behauptet in ihren Briefings immer, dass ihr neues Modell jetzt etwas ganz besonderes ist. Manchmal ist das auch so, aber oft muss man sich erstmal mühsam durch die Details arbeiten, um einen differenzierenden Punkt zu finden. Und zur Not gibt's ja auch immer noch den Punkt Design. Das Auto ist halt ein Hingucker.

Vielleicht hat sich das auch Volkswagen bei seinem neuen Passat CC Spot gedacht: Wer ihn sieht, sieht nichts anderes.

Umgesetzt wird das ganze dann mit einem kleinen "Wahrnehmungstrick" namens Unaufmerksamkeitsblindheit (engl. inattentional blindness). Der Effekt ist relativ simpel: Unser Gehirn ist darauf trainiert Informationen zu filtern. Damit etwas unsere Aufmerksamkeit erreicht muss es für uns in einer gegebenen Situation von Interesse sein. So bleiben wir handlungsfähig.

Wenn wir also Autowerbung sehen, dann ist also das Auto von Interesse. Darauf richten wir unsere Aufmerksamkeit. Und da kann dann auch mal eine Frau mit einem Leoparden durchs Bild laufen. Die meisten von uns würden das nicht sehen.

Deswegen macht uns VW im Spot für den Passat CC darauf aufmerksam und verknüpft das wiederum ganz geschickt mit der Botschaft: Wer ihn sieht, sieht nichts anderes.



Ganz neu ist dieser Wahrnehmungstrick allerdings nicht. Vor ein paar Monaten wurde das selbe Prinzip von "Transport for London" verwendet. Aber manchmal ist gut kopiert immer noch besser als schlecht gedacht.

Kommentare:

andré hat gesagt…

An den "moonwalking bear" musste ich auch gleich denken. Allerdings fand ich es schade, dass VW sich nicht ein bisschen mehr getraut hat. Die Frau mit dem Leoparden ist nur so dermaßen kurz zu sehen, die wäre vermutlich auch sonst nicht aufgefallen.

Deshalb geht der Effekt schon fast unter. Wenn die sich ein bisschen mehr getraut hätten, hätten sie vielleicht auch den AHA-Effekt wie beim Bär hinbekommen. Aber so ist es leider nur ein "schlecht kopiert".

Tim hat gesagt…

André: Ich glaube, dass die Leopardenfrau an den Rand gerückt werden musste, weil sie sonst wahrscheinlich zu sehr aufgefallen wäre. Beim "Moonwalking Bear" wurde dir ja zu Beginn des Spots gesagt, dass du dich auf die Pässe konzentrieren sollst. Bei diesem Spot eben nicht. Deswegen ist deine Aufmerksamkeit auch nicht so sehr konzentriert und da wäre die Wahrscheinlichkeit, dass dir die Leopardenfrau auch ohne Hinweis ins Auge fallen würde umso größer.

andré hat gesagt…

Ja, das mag sein. Aber anstatt nach der Frau zu fragen hätte man auch schreiben können: "Ist Ihnen aufgefallen, dass das Kind eine rote Jacke anhat?"

Damit will ich nicht sagen, der Effekt sei total daneben gegangen. Man kann die Frau aber auch einfach so übersehen, weil sie einfach nur so kurz zu sehen ist.
Ich hab mir den Clip im TV ein zweites mal angeschaut und hab mir gedacht: "Natürlich habe ich die Frau nicht gesehen, die ist ja nur ne Sekunde im Bild!" Bei dem Bären musste ich das Video 2-3 mal sehen und war immer noch erstaunt darüber, wie sehr man "getäuscht" wurde.

Man hätte ein bisschen mehr wagen können, dann wäre auch der Erfolg, oder Überraschungseffekt, vielleicht ein größerer geworden.

psyxonaut hat gesagt…

das ursprungsexperiment ist von psycho-kollegen und geht mit nem gorilla (und hat nichts mit cadbury zu tun).

in dem zusammenhang gern noch ein zaubertrick hinterher, der auch auf nem psycho-effekt zurückzuführen ist.

http://www.youtube.com/watch?v=ZyQjr1YL0zg

Tim hat gesagt…

Danke für das Video. Das habe ich schon immer mal wieder gesucht und gleich wieder vergessen :)