28 Mai 2009

Warum Warten erfolgreich macht.

Ich bin letztens über zwei interessante Zahlen gestolpert. In seinem Buch ‚The Entertainment Economy’ erwähnt Michael Wolf, dass die Sparrate der Amerikaner durchschnittlich lediglich 2,1% ihres Haushaltseinkommens beträgt (Zum Vergleich die Sparrate der Deutschen liegt seit 20 Jahren bei ca. 10%). Die Ausgaben für „Entertainment“ hingegen betragen durchschnittlich 8,4% (Für die Deutschen habe ich noch keine vergleichbare Zahl gefunden).

Ich finde diese Zahlen sagen eine Menge über eine Gesellschaft aus. Sie zeigen vor allem, dass Unterhaltung oder anders gesagt der Genuss hier und jetzt und sofort, wichtiger ist als die Vorsorge für die Zukunft (Einige würden vielleicht sogar soweit gehen und behaupten, dass dies ein Indiz dafür ist, dass viele Menschen eigentlich nicht mehr wirklich an eine Zukunft glauben). Diese Entwicklung kann man ja auch überall in den Supermarktregalen beobachten: angefangen bei den klassischen Tütensuppen über Instant Pudding im Becher, 2 Minuten Reis, Express Gelierzucker (für Marmelade in 5 Minuten) bis zu den fertig geschnittenen Salaten und Früchten. Denselben „Instant-Genuss“ bieten auch „On Demand“ Services wie iTunes, T-Home Entertain, Premiere oder Maxdome.
Das ist einerseits natürlich toll, denn diese Produkte sparen ja Zeit. Andererseits leben wir damit auch in einer Gesellschaft in der Bedürfnisaufschub eben immer weniger stattfindet (Ich sag nur Twitter).

Aber welche Konsequenzen hat es, wenn wir uns zu sehr an den „Instant Genuss“ gewöhnen? Wenn wir es nicht schaffen uns selbst zu disziplinieren und auch mal auf die sofortige Belohnung zu verzichten?

In den 60er Jahren startete Psychologe Walter Mischel von der Stanford Universität ein interessantes Experiment dazu. Er gab vierjährigen Kindern einen Marshmallow und sagte Ihnen, dass sie diesen gleich haben könnten oder aber einen zweiten bekommen würden, wenn sie einige Minuten warten würden. Das Ergebnis war das 2/3 der Kinder es irgendwann nicht mehr aushielten und den Marshmallow aßen bevor die Wartezeit um war. Jahre später untersuchte Mischel was aus den Kindern geworden ist. Dabei stellte sich heraus, dass die Kinder, die genug Selbstdisziplin aufbrachten um den Marshmallow nicht während der Wartezeit zu essen, später auch (akademisch) erfolgreicher und weniger stressanfällig waren. Sie galten auch als vertrauenswürdiger und zuverlässiger. Diejenigen die den Marshmallow vor Ablauf der Wartezeit gegessen haben, wurden von anderen Menschen als eher stur und neidisch beschrieben.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt also darin, seinen Impulsen nicht immer sofort nachzugeben (oder aber keine Marshmallows zu essen) und sich in Selbstdisziplin zu üben. Ich sehe darin auch eine Chance für neue Marken und Produkte. Gerade im Foodbereich könnte man sich in Zukunft gerade dadurch differenzieren, das es eben seine Zeit dauert bis es fertig zubereitet ist. Denn in einer Welt in der alles immer sofort verfügbar ist, wird das Warten wieder zum neuen Luxus.

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