10 August 2009

Microsoft: Jedes bißchen hilft

Mit Microsoft hat Crispin Porter + Bogusky ja wahrlich keinen leichten Job. TBWA Chiat Day macht seit Jahrzehnten absolut wegweisende Kampagnen für den mittlerweile nicht mehr ganz so kleinen Konkurrenten Apple. Steve Jobs hatte in den letzten Jahren allerdings auch ein unglaublich gutes Händchen bei der Produktentwicklung: iPod, iTunes Store, Apple TV, iPhone etc. Und Microsoft tat sich doch recht schwer mit seinen Innovationen: Microsoft LiveSearch, Windows Vista, Microsoft Zune waren ja alle nicht so die Bringer. Entsprechend schwer tat sich CP+B anfangs mit dem Aufpolieren des Microsoft Images.

Die erste (wahrscheinlich) millionenschwere Kampagne mit Jerry Seinfeld und Bill Gates wurde recht schnell wieder abgesetzt. Es hieß zwar, dass wäre so geplant gewesen. Allerdings erschienen mir die Spots von Anfang an zu kryptisch und Jerry Seinfeld war bei den College-Kids (die Apple cool finden) einfach nur der Typ aus einer 90er Jahre Sitcom.

Auch die „Testimonials“ in der ‚I‘m a PC‘ Bekenner-Kampagne haben wahrscheinlich eher Mitleid als Sympathie hervorgerufen. Aber mit dem Value-for-Money Ansatz in den „You‘ll find it, you‘ll keep it‘ Spots hat Crispin dann so langsam die Relevanz-Kurve gekriegt.
Und nun hat CP+B mit dem Sponsoring der ‚PC Hookup Show‘ noch eins draufgelegt. Denn wo findet man junge Computerkäufer? Richtig! Im Internet. Moderiert wird die ‚PC Hookup Show‘ von Webrelebrity Christian Lander, der mit seinem Blog ‚Stuff White People like' bekannt wurde. Aufgemacht ist die ‚PC Hookup Show‘ wie eine typische amerikanische Late Night Show, aber eigentlich ist es ein Live-Gewinnspiel im Internet. Die Gäste sind auch wieder Webrelebrities, die über ihre Projekte oder was auch immer sprechen. Und in jeder Show kann man auch irgendwie einen PC mit Windows gewinnen. Ich bin – ehrlich gesagt – noch nicht so richtig dahintergestiegen wie das funktioniert. Trotzdem finde finde die Idee der Webshow aus vielerlei Gründen brilliant. Mal abgesehen davon, dass die Produkte einfach besser funktionieren müssten (aber da kann Crispin leider auch nicht so viel dran machen), muss Microsoft vor allem mal die Sympathie- und Coolnessschraube nach oben drehen. Und die Webshow ist dafür ein super Format:

- Nerd-Content ist und Nerd-Gäste sind für Nerds immer relevant (Zielgruppenpassung)

- Mit Christian Lander ist es definitiv auch lustig und unterhaltsam (Entertainment)

- Bequem zu „konsumieren“ (Lean back)

- Trotzdem ist der Dialog per Chat möglich (Web 2.0)

- Zu gewinnen gibt es jedes Mal einen PC (Relevanz+Produktbezug)

Und nur damit wir uns hier nicht falsch verstehen: Natürlich sind 1 Mio.+ Views pro Folge Wepisode beachtlich und für eine Webshow definitiv ein großer Erfolg. Mit einer klassischen TV Kampagne kann das aber natürlich nicht mithalten. Das muss es aber auch nicht und ist wahrscheinlich auch nie Ziel gewesen.

Aber dieses Format hat zumindest das Potenzial Microsoft in der wahrscheinlich kritischsten Zielgruppe überhaupt wieder ein bißchen sympathischer rüberkommen zu lassen. Denn schließlich bringt Microsoft hier guten Content ins Netz und ist auch noch so schlau sich dabei dezent im Hintergrund zu halten. Es reicht ja auch so: In der Show geht es meistens um Internet und PCs. Und auf PCs läuft nun mal Windows (auch wenn das technisch nicht ganz korrekt ist, weil auch ein Mac ja ein PC ist, machen die meisten automatisch diese Verknüpfung). Der Content ist gut, die Gäste sind coole Leute aus der Szene, die auch PCs nutzen für ihren coolen Projekte. Tja und ob man nun will oder nicht, aber unbewusst nimmt man das wahr. Und gaaaaaaaanz langsam wird Microsoft ein kleines bißchen cooler, weil Crispin Porter + Bogusky einfach wissen wie das so geht mit diesem Internet.

Keine Kommentare: